Anycubic i3 Mega S – Erfahrungen #1

Tim hat Geburtstag!

Tim, der letztgeborene meiner besseren Hälfte hat Geburtstag und wie jedes Jahr zu solch einem Anlass, stellt sich die Frage des Geschenks. Leider habe ich mich mit dem 3D-Druck etwas zu spät beschäftigt, sodass mein Geschenk erst gebastelt werden muss – ein Simpsons-TV.

Dieses kleine Wunderwerk ist ein vollwertiger Videoplayer, der Folgen der Simpsons mit hervorragender Qualität abspielen kann! Hier gibt es die Bauanleitung. Da steckt dann ein Raspberry Pi Zero 2 W drin und ein hochauflösendes Display, welches ich erst einmal besorgen muss. Das allerdings ist nicht so ganz einfach, die guten Sachen sind in Deutschland nicht so leicht zu beschaffen.

Damit Tim nicht ganz leer bei diesem Projekt ausgeht, bekam er erst einmal die gedruckte Front des Simpsons-TV 🙂

Und schon begannen die Probleme und meine neuesten Erfahrungen.

Nach gut 4 Stunden Druckzeit war der Drucker beim vorletzten Layer angelangt und es sah alles recht gut aus, bis dann der Drucker den letzten Layer versaute. Ich hatte beim Slicer-Programm GLÄTTEN angehakt und das war ein Fehler! Laut Beschreibung druckt der Drucker beim Glättvorgang eine sehr dünne Schicht mit wenig Material. Hört sich gut an, aber in der Praxis schmierte er auf der schönen Oberfläche herum, das sah dann so aus:

Nachdem ich dann den äußeren Brim entfernt hatte und die Stützkonstruktionen unter den Füßen inkl. der Stützen in den Öffnungen, wollte ich das Teil eigentlich wegschmeißen. Aber hey, das ist ja nicht das Teil, welches später im kompletten Gerät verwendet werden soll, sondern nur zum Aufkleben auf die Glückwunschkarte, also halb so schlimm. Mit ein bisschen Schleifpapier war die Front zumindest für diesen Zweck halbwegs ok:

Jetzt noch die Knöpfe drucken. Die sind mit 7 mm Durchmesser recht winzig und sehen im Original ganz ansehnlich aus. Sie passen sehr gut in die Öffnungen und haben später tatsächlich Funktionen (Taster & Poti). Die großen Bilder gaukeln dir eine schlechtere Qualität vor, als sie eigentlich ist. Oder meine Brille sorgt für die harmonische Kantenglättung.

Ich habe dann gleich noch einen Schlüsselanhänger in LEGO gedruckt. Auf den Pömpeln steht jeweils Tim.

Und eingesetzt:

Ich hatte übrigens das erste Mal das Vergnügen, das Filament zu wechseln, da ja unterschiedliche Farben benötigt werden. Also im Web geschaut und viele Tipps zu unterschiedlichen Druckern gelesen. Einige der Tipps lasen sich beängstigend und beschrieben Probleme mit verstopften Düsen und dem Entfernen des alten Filaments bis zum Ausbau der Druckdüse.

Zum Glück ist das bei meinem Drucker sehr einfach. Es gibt dafür ein eigenes Menü:

Bei Filament Remove wird der Druckkopf so aufgeheizt, dass das Filament schmilzt und dann fängt der Extruder so lange an rückwärts zu drehen, bis man STOP drückt. Dieser Vorgang zieht das Filament motorisch aus dem Druckkopf. Sollte das nicht funktionieren, dann drückt man Filament In bis sich eine Wurst aus dem Druckkopf schiebt und wiederholt den vorher beschriebenen Vorgang. Das hat bis jetzt super funktioniert.

Jetzt kann der Extruder mit einem Hebel freigegeben werden und das Filament lässt sich leicht aus dem Schlauch ziehen. Sollte das angeschmolzene Filament nicht durch den Extruder passen, bitte keine Gewalt anwenden! Den Teflon-Schlauch kann man ganz leicht abziehen:

Auf dem Bild sieht man das angeschmolzene Filament, welches nicht gewaltfrei durch den Extruder passte. Nimm einen Seitenschneider und knipse das Filament im Winkel von 45 Grad durch. Der schräge Schnitt ist dann später wichtig, wenn das Filament wieder gebraucht wird.

Übrig bleibt dann dieses Ende:

Beim Einlegen einer neuen Filament-Rolle steckst du das abgeschrägte Ende durch den Sensor in den entspannten Extruder und schiebst das Filament bis zum Anschlag durch den Schlauch in den Druckkopf. Jetzt wieder im Menü auf Filament In drücken und der Druckkopf heizt sich auf. Wenn die Temperatur zum Schmelzen reicht, dreht der Extruder an und es bildet sich eine Filamentwurst an der Druckdüse, bis du STOP drückst. Du siehst ja dann, wenn die Farbe der Wurst der Farbe des aktuellen Filaments entspricht. Ich habe zur Demonstration ein bisschen länger als nötig gewartet:

Zu guter Letzt habe ich noch eine Erfahrung an diesem Tag gesammelt, die das Leveling betrifft. Damit ist der Abstand der Druckdüse zur Druckplatte gemeint. Dies stellt man bei Druckern, die kein automatisches Leveln beherrschen, mittels Stellschrauben an 4 Außenpunkten und in der Mitte des Drucktisches ein. Dazu muss der Drucktisch und der Druckkopf aufgeheizt sein. Der Hersteller gibt dazu ein Blatt Papier mit. Ich finde diese Papierlösung recht ungenau und das Papier nutzt sich sicher schnell ab. Darum habe ich mir eine Fühlerlehre in 13 Stärken besorgt und benutze die Stärke 0.05 mm zum Einstellen der Höhe:

Interessanterweise war die Fühlerlehre direkt im Baumarkt ein paar Euros günstiger als das identische Produkt bei Amazon. Die Blätter der Lehre sind aus Federstahl und nach dem Kauf sehr gut eingeölt. Öl und 3D-Druck sind allerdings nicht ganz kompatibel, denn der Druck soll ja anständig auf dem Drucktisch haften. Also habe ich das Öl komplett entfernt und denke, dass mir das Blatt der Fühlerlehre nicht gleich wegrosten wird, denn ich drucke in meinem Bastelzimmer und nicht im Regen.

Die 0.05 mm habe ich übrigens auch aus dem Internet. Keine Ahnung, ob dieses Maß perfekt ist, aber bei mir passt das. Wenn ich z.B. mit einer Schichtdicke von 0.1 mm oder 0.15 mm drucke, soll ja der erste Layer sicher am Drucktisch haften und das tut er mit diesem Abstand. Dazu habe noch einen kleinen Tipp – den ersten Layer drucke ich langsam mit 30 mm/Sek. und 130% Fluss – hat bis jetzt bei jedem Druck gut funktioniert und haftet sehr fest.

Letzter Tipp für heute zur Haftung des Drucks

Ich möchte den Drucktisch so lange es geht gut behandeln und habe öfter gelesen, ihn mit Isopropanol abzuwischen. Genau so oft wird aber davon abgeraten, denn zumindest mein Tisch ist beschichtet und diese Beschichtung leidet im Laufe der Zeit wohl unter Isopropanol. Ich benutze Fensterreiniger von Lidl und habe mit der Haftung keinerlei Probleme. Übrigens warte ich nach dem Druck so lange, bis der Drucktisch wirklich auf Raumtemperatur abgekühlt ist, dann lässt sich der Druck sehr gut und komplett rückstandfrei vom Drucktisch lösen. Ist der Tisch noch warm, bleiben unter Umständen winzige Rückstände übrig. Das habe ich genau 1x gemacht und nicht mehr wieder.

Ich habe dann noch mit ein paar anderen Farben experimentiert und festgestellt, dass das grüne Filament nicht so mein Fall ist. Es ist auf der Rolle ein sattes Dunkelgrün, aber in dünnen Schichten transparent und als Druck dann entsprechend inhomogen – schade.

Auch wenn ich als Anfänger nicht viele Tipps geben kann, hoffe ich trotzdem, dass dir meine letzten Erfahrungen ein bisschen geholfen haben?

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